Im Silberpfeil durchs Flutgebiet
Fotos: Martin Gausmann
Bei der Fahrzeugübergabe vor dem Niedertor in Ahrweiler: Apothekerin Linda Reeves (v.l.), RKG-Geschäftsführer Friedrich Behle, GA-Geschäftsführer Kersten Köhler und Regine Broicher, stellvertretende Direktorin der Ahrtal-Residenz.

Der GA tritt aufs Gaspedal: Ein vollelektrisches Redaktionsmobil rollt ab sofort durchs Ahrtal. Das Projekt entstand in Kooperation mit RKG und Ahrtal-Residenz. Ziel ist es, den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe hautnah zu begleiten

Von Stephan Stegmann und Raphaela Sabel

AHRTAL. | Mit einer rollenden Redaktion verstärkt der General-Anzeiger ab sofort sein Engagement im Flutgebiet. Gezielt soll so der Dialog mit den Betroffenen weiter intensiviert, eine wiederkehrende Anlaufstelle geschaffen und der Wiederaufbau im Ahrtal hautnah begleitet werden. Als Kooperationsprojekt des GA, der Rheinischen Kraftwagengesellschaft (RKG) sowie der Ahrtal-Residenz ist das Hightech-Elektrofahrzeug, Typ Mercedes-Benz EQV, unter dem GA-Logo ab sofort in der Ahr-Region im Einsatz.

Mit der Fahrzeugübergabe vor dem einst gefluteten Niedertor unweit der GA-Redaktion in Bad Neuenahr-Ahrweiler gibt RKG-Geschäftsführer Friedrich Behle den Startschuss für das einmalige Projekt. „Als der General-Anzeiger auf uns zukam, war uns gleich klar, dass wir diese Idee unterstützen werden“, sagt Behle. Sein Unternehmen sei in der Region verwurzelt und für viele Kunden da, von mehr als 700 Mitarbeitern seien einige selbst von der Hochwasserkatastrophe betroffen. Behle: „Umso schöner ist es, dass wir uns in dieser Kooperation auf diese Weise einbringen und im Flutgebiet Flagge zeigen können. Wir wollen vor Ort unterstützen.“

Dem kann GA-Geschäftsführer Kersten Köhler nur beipflichten: „Nach einem solchen Unglück wollen wir stets ein offenes Ohr für die Menschen haben. Mit dem neuen Fahrzeug können wir in der Region noch mobiler und aktiver sein und über tragische Schicksale, aber auch Lichtblicke des anlaufenden Wiederaufbaus berichten.“

Die Projektpartnerschaft habe sich dafür schon früh als geeignet erwiesen. „Uns treiben die gleichen Motive an. Als Medienhaus haben wir die Katastrophe aus erster Hand erlebt und deren Auswirkungen begleitet. Auch bei uns waren Mitarbeiter betroffen“, sagt Köhler. „Deshalb ist es uns wichtig, hautnah am Geschehen zu bleiben. Im Austausch mit der RKG wurde schnell klar, dass wir in jeden Winkel fahren wollen. Wir wollen hören und sehen, was dort passiert ist und darüber berichten. Mit dieser Kooperation haben wir gemeinsam eine adäquate Möglichkeit dafür geschaffen.“

Die Flutkatastrophe hat im vergangenen Juli vielerorts im Verbreitungsgebiet verheerende Folgen gehabt. Der Wiederaufbau wird voraussichtlich Jahre dauern. „Diesen Prozess werden wir genau verfolgen“, sagt Jörg Manhold, Teamleiter der Regionalredaktion. „Mit Blick auf Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rech oder Kreuzberg finden wir auch Monate nach dem Hochwasser überall noch unterschiedliche Situationen vor. Während in manchen Orten schon deutliche Fortschritte erkennbar sind, sind die Zerstörungen andernorts noch gewaltig. Und seriöse Berichterstattung darüber ist nicht möglich, wenn man sich nicht vor Ort aufhält.“

Unabdingbar sei ebenso der unmittelbare Kontakt zu den Menschen, der mithilfe des silbernen Redaktionsmobils noch weiter ausgebaut werden soll. Manhold: „In Krisenzeiten ist es nötig, die Sorgen, Hoffnungen und Wünsche bei den Leuten abzuholen. Nur nach dem direkten Austausch können wir auch nachvollziehen, was sie bedrückt und welche Herausforderungen ihnen noch bevorstehen werden. Mit dem Bus signalisieren wir: Wir sprechen gerne mit euch und sind für euch da!“

Auch Regine Broicher, stellvertretende Direktorin der Ahrtal-Residenz, ist von dem Projekt begeistert. Ihr Unternehmen stellt dem GA kostenfrei die Nutzung der E-Ladesäule auf dem Parkplatz der Residenz an der Willibrordusstraße 5 zur Verfügung. Der Parkplatz, das Heim und somit auch die Senioren seien von der unmittelbaren Flut im Juli zum Glück verschont geblieben, so Broicher. Die stationäre Ladesäule ist also intakt. Dass das Redaktionsteam weiterhin überwiegend mobil im Einsatz sein wird, hat auch für Linda Reeves, Eigentümerin der Ahrtor-Apotheke, etwas Gutes. Seit Anfang August ist die Apotheke nämlich mietfrei unter anderem in den GA-Redaktionsräumen in Ahrweiler untergekommen. „Dass wir die Räume so schnell nach der Flut kostenfrei nutzen konnten – das war ein Geschenk des Himmels“, sagt Reeves. Dass fortan das Redaktionsmobil Gas gibt, ermöglicht es der Apothekerin, ihren Umzug zurück an den Standort am Ahrtor bis Anfang März in Ruhe zu planen.

Der Redaktionsbus verfügt über Parkhilfe, Navigationssystem und Standheizung.
Martin Gausmann
In den großen Innenraum kommt ein Arbeitstisch. RKG-Mitarbeiter Anton Merklinger (r.) erklärt das Fahrzeug.
Martin Gausmann