Eine Topspielerin für Fritzdorf
Foto: Henry
Grundsätzlich zufrieden mit der Leistung des TTC Fritzdorf in der Hinrunde zeigt sich Spielführerin Steffi Hoffmann. Nur die Punkte fehlen.

Waliserin Chloe Thomas kommt zum Tischtennis-Drittligisten. Spielführerin Steffi Hoffmann zieht positive Bilanz der Hinrunde

Von Joachim Schollmeyer

FRITZDORF. | Es kommt gelegentlich vor, dass zwei unabhängige Sachverhalte zu einer unerwarteten und überraschenden Konsequenz führen – und die kann sogar positive Auswirkungen haben, wie aktuell für die Bundesliga-Damen des TTC Grün-Weiß Fritzdorf.

Zum einen ist da Teresa Ströher, die von 2016 bis 2019 für die Grün-Weißen in der Regionalliga angetreten und dann wieder zurück in ihre Heimatgemeinde Höhr-Grenzhausen gegangen ist. Dort ist zum anderen ihr Vater Markus seit 2011 als Manager für den Bundesligisten TTC Zugbrücke Grenzau tätig und hat im Februar den gebürtigen Chinesen Wu Jiaji verpflichtet. Dieser spielt seit 2016 international für die Dominikanische Republik, war zuletzt in Frankreich aktiv, ist seit einigen Jahren mit der Waliserin Chloe Thomas verheiratet und wird in Grenzau wohnen.

Was hat das nun mit den Fritzdorfer Damen zu tun? Nun: Ende Juli erhielt deren Mannschaftsführerin Steffi Hoffmann einen Anruf von Teresa Ströher, die sagte, dass sie da jemanden hätte und ob sich die Fritzdorferinnen vorstellen könnten, dass dieser Jemand bei ihnen mitspielt. Dieser Jemand war Chloe Thomas, die Anfang 2022 für einige Monate zu ihrem Mann ziehen wolle und einen Verein suche, bei dem sie sich auf die Commonwealth-Spiele 2022 in Birmingham vorbereiten kann. Ein Zoom-Gespräch und ein Treffen in Grenzau reichten dann, um alles klar zu machen: In der Rückserie heißt die Nummer eins der Grün-Weißen Chloe Thomas.

Bereits 2018 hat die 27jährige für Wales an den Commonwealth-Spielen teilgenommen und will nun nach Abschluss ihres Studiums an der Bournemouth University wieder voll angreifen. Dazu braucht sie Spielpraxis. Derzeit steht sie in der ITTF-Rangliste auf Platz 629 – ihre beste Platzierung war Rang 307 im Januar 2018. Für den Aufsteiger aus Fritzdorf ist sie eine enorme Verstärkung, die im Spitzenpaarkreuz der 3. Bundesliga eine positive Bilanz erspielen dürfte. Ein weiteres Plus: Hoffmann rückt dann ins untere Paarkreuz, wo sie sicher mehr Spiele gewinnen kann, als in der Vorrunde im vorderen. Zudem gehören wie bisher mit Hannah und Charlotte Schönau sowie Hannah Krießbach Spielerinnen mit Entwicklungspotenzial zum Team.

Damit steigen die Chancen der Grün-Weißen, doch noch die Klasse zu halten, auch wenn sie mit 2:16 Punkten nach der Vorrunde am Tabellenende stehen. Dabei haben sie gar keine so schlechte Figur abgegeben. Klar waren lediglich das 2:6 gegen Berlin – wo allerdings Hoffmann verletzungsbedingt ausfiel – und das 0:6 beim unangefochtenen Tabellenführer und Meisterschaftsfavoriten TSV Langstadt II. „Ich bin zufrieden mit der Vorrunde. Wir haben alle top gespielt, außer gegen Langstadt immer gut mitgehalten“, sagt Hoffmann und ergänzt: „So gut wie wir gespielt haben, ist es ein bisschen schade, dass wir am Ende nur zwei Punkte mitnehmen konnten.“

Die resultierten aus Unentschieden beim Tabellenachten VfL Kellinghusen und beim Abstiegskonkurrenten TTK Großburgwedel. Zudem hieß es dreimal 4:6 und zweimal 3:6. Schmerzhaft war vor allem das 3:6 beim bis dahin punktlosen SC Poppenbüttel, den die Fritzdorferinnen eigentlich hinter sich lassen wollten. „In allen fünf Spielen wäre mit ein wenig Glück ein Punkt drin gewesen. Dann hätte das in der Tabelle auch etwas besser ausgesehen“, bedauert Hoffmann.

Verloren ist noch nichts: Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt aktuell nur einen Punkt, und die beiden ärgsten Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib müssen in Fritzdorf antreten. Die Teamchefin bleibt daher gelassen. „Ich blicke optimistisch auf die Rückrunde, weil wir Verstärkung bekommen. Wenn wir vom Spielniveau weiter so gut bleiben, ist auf jeden Fall der Klassenerhalt noch nicht abgeschrieben.“

Im Notfall können Akteurinnen aus der Zweiten einspringen, die in der Oberliga NRW ohne Verlustpunkt an der Spitze steht. „Im Optimalfall bleiben wir in der 3. Liga und die Zweite steigt auf – das wäre natürlich toll“, sagt Hoffmann. Wichtig ist ihr, dem Publikum in Fritzdorf Spitzentischtennis zu bieten und „es wäre prima, wenn dann auch noch Punkte dabei herausspringen“.